L E A . S C H M I D T .
G R A F I K D E S I G N
I L L U S T R A T I O N

Copyright 2014

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wir Menschen besitzen die Fähigkeit uns zu erinnern. Das heißt, wir sind in der Lage uns zurückzuversetzen und uns auf »mentale Zeitreisen« (Endel Tulving) zu begeben. Genau dies habe ich vor, ich werde die einzelnen Stationen meines bisherigen Lebens beleuchten und eine Bestandsaufnahme machen. Was ist zum jetzigen Zeitpunkt wichtig für mich, was macht mich aus und gibt einen Aufschluss darüber, wie ich die geworden bin, die ich bin?
Unser autobiographisches Gedächtnis ist identitätsstiftend. Eine Identität wird beeinflusst durch Orte, Personen, eigene Erlebnisse und das Zeitgeschehen. Die Familie, unsere nächsten Angehörigen tragen stark dazu bei, an was wir uns erinnern und was später zu unserer eigenen
Lebensgeschichte wird. Die kulturwissenschaftliche Erinnerungs- und Gedächtnisforschung befasst sich nun schon seit mehreren Jahrzehnten mit diesem Thema. Darauf basierende Überlegungen bilden den Kern der nachfolgenden Darstellungen. Eine wichtige Grundlage für dieses Buch ist die Arbeit von Aleida Assman, einer deutschen Anglistin, Ägyptologin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, deren Forschungsschwerpunkt seit den 1990er Jahren insbesondere die Themen kulturelles Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen sind. Das Buch besteht aus zwei Teilen, einem wissenschaftliche Positionen darstellenden und einem persönlichen, autobiographischen Teil. Im ersten Teil wird auf das Gedächtnis, die unterschiedlichen Formen und die Frage, wie wahr unsere Erinnerungen sind, eingegangen. Die neuronal-physiologischen Vorgänge habe ich bewusst außen vor gelassen. Der zweite Teil zeigt mein Leben, sortiert nach Wohnorten, denn das Gedächtnis kann in Orten lokalisiert sein. Sie können selbst zu Subjekten werden, zu Trägern der Erinnerung. Sie verfügen über ein Gedächtnis, das zeitlich weit über das des Menschen hinausgeht. Doch wie wahr ist das subjektive Erinnern, wie verschiebt sich eine Lebensgeschichte im Laufe der Zeit?